My last host family

Zurzeit befinde ich mich in Cincinnati, im Südwesten von Ohio, einen Katzensprung von Kentucky und Indiana entfernt. Hier lebe ich in der wohl am meisten deutschen Familie in den USA. Sie essen Salat und Obst und fahren nicht mit dem Auto zum Briefkasten, sondern laufen zu Fuß. Sie mögen es sogar zu Wandern und mit den Hunden spazieren zu gehen, anstatt sie einfach nur angeleint in den Vorgarten zu lassen. Ich bin echt beeindruckt, vielleicht wird, nach diesen drei Wochen, der „re culture shock“ back in Germany, gar nicht mehr so groß sein. Hier in Ohio und vor allem in Cincinnati, ist sowieso alles etwas mehr deutsch, viele der Leute haben deutsche Wurzeln. Um 1850 sind eine Menge Deutsche in die USA immigriert und da wir mittlerweile gelernt haben, dass die USA im Laufe der Zeit von Osten nach Westen besiedelt wurde, kann man sich erklären wieso in verschiedenen Teilen der USA, Immigranten mit unterschiedlicher Herkunft dominieren. Hier gibt es das zweitgrößte Oktoberfest der Welt und sogar einen Weihnachtsmarkt, ob die guten Glühwein ausschenken werde ich noch herausfinden ;-). Cincinnati ist eine der drei großen Städte in Ohio und als Handels- und Fabrikstadt ziemlich bedeutend, viele große Firmen wie z.B. General Electric haben hier einen Standort. Die Bangels sind das NFL (National Football League) Footballteam von Cincinnati, der Superbowl (Finale) wird am Saisonende im Februar 2017 ausschließlich von NFL Teams ausgetragen. Nächstes Wochenende gehen wir ins Stadion, dann werde ich mal sehen, ob ich überhaupt einen Unterschied zwischen College- und NFL Football feststellen kann – ich glaube nicht ;-).

Vom Carew Tower (Wahrzeichen und höchster Turm der Stadt, 175m) erhielt ich einen wunderbaren Ausblick über die gesamte Stadt und den Ohio River, dieser grenzt direkt an Kentucky. Übrigens kann man sagen, dass alle Städte südlich des Ohio Rivers früher im 1800 und 1900 Sklavenstaaten waren, die Staaten nördlich des Flusses, wie z.B. Ohio nicht. Ohio war ein wichtiger Bestandteil der „Underground Railroad“, ein geheimes Netzwerk von Gegnern der Sklaverei, die den Sklaven bei der Flucht vom Süden der USA in den Norden oder Kanada verholfen. Könnt ihr euch vorstellen, dass der Civil War und damit die Abschaffung der Sklaverei erst 150 Jahre her ist??? Ich finde es erschreckend und traurig und ich glaube, dass bis heute die ganze Geschichte nicht aufgearbeitet ist und im Stillen immer noch zu viel Rassismus besteht.

Eine andere Sache fällt mir noch ein, die ich euch gerne zu Ohio erzählen möchte. Und zwar, habt ihr schon mal was von den „Appalachen Mountains“ gehört?? Die Amis nennen sie die Rocky Mountains des Osten. Die Gebirge zieht sich vom Südosten Kanadas bis in den Südosten der USA, da es nicht so hoch ist, ist es hauptsächlich bewaldet. Ich glaube sogar, es war mal höher als die Rockys, aber dadurch, dass es so alt ist (450 Millionen Jahre) sind die Berge abgesackt – meine Gastmutter ist Geologin und weiß eine Menge ;-). Und für die, die es interessiert, die Rockys sind „nur“ ca. 70 Millionen Jahre alt.

Diese Gastfamilie ist die Erste, mit Kindern in meinem Alter (19 und 24) und so fällt es mir auch erst jetzt auf, dass ich es ganz schön vermisst habe mit Gleichaltrigen rumzuhängen ;-). Ein paar Mal zelebrierten wir mit ein paar Freunden einen „Amerika Day“, wir gestalteten also einen Tag so klischeehaft wie nur möglich. Im Pickup (dieses Mal mit Subwoofer unter der Rückbank) fuhren wir in den Wald, schossen mit Pfeil und Bogen, mit Waffen auf Bierdosen oder zielten solange auf tote Bäume bis sie zerbrachen (schon mal einen Baum mit einer Shotgun gefällt –  einfach nur verrückt :-D). Machten ein Lagerfeuer, fuhren mit Quads durchs Gebüsch und aßen fettiges Fastfood. Natürlich gab es auch ruhigere Tage, meine Gastschwester hat ein Pferd auf einem Art Reiterhof, so kam es, dass ich fast jeden Tag Pferde streicheln und so manches Mal sogar durch die Wälder von Ohio reiten konnte.

Am 24.11 feierten wir Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest, ich würde sagen, dass es von vielen Amerikanern sogar größer und wichtiger Weihnachten gefeiert wird. Vormittags gingen wir wandern, damit wir hungrig in die „Fressorgie“ starten konnten, danach fuhren wir zu Verwandten meines Gastvaters um mit der ersten Hälfte der Familie feiern zu können. Zu essen gab es ein riesiges, kaltes Buffet und verschiedene Suppen. Danach fuhren wir zu den Großeltern um mit den engsten Familienangehörigen das eigentliche Festmahl einzunehmen. Traditionell mit einem ca. 10kg Turkey, Stuffing (Truthahnfüllung bestehen aus Brotstückchen mit Ei, Zwiebel und Gewürzen), Cranberry Relish, grüne Bohnen in Pilzsauce, Marshmellowüberbackener Süßkartoffelbrei, Kürbiskuchen und einem Schichtdessert bestehend aus Himbeerwackelpudding, Frischkäsecreme und Salzbretzeln – alles ziemlich lecker und vor allem sehr gehaltvoll. Da mein Gastvater es liebt zu kochen und seinen selbstgemachten Truthahn am liebsten mag, kochte er einfach zwei Tage später ein erneutes Thanksgiving Dinner.

Nach Thanksgiving wird hier in Amerika offiziell die Weihnachtszeit eingeleitet, das heißt die Häuser werden mehr oder weniger geschmacklos dekoriert und wird höchste Zeit einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Meine Gastfamilie fuhr mit Sack, Pack und Hund zu einer riesigen Christmas tree farm um dort den schönsten Baum zu finden und selbstständig zu fällen, traditionell gab es „Hot Chocolate mit Baylies“. Ich erzählte, dass in Deutschland am 6. Dezember der Nikolaus kommen würde, meine Gastfamilie hörte ganz angetan zu – jetzt bin ich mal gespannt ob der Nikolaus den Weg in die USA bis zu meinen Cowboyboots finden wird :-).

Heute ist mein letzter Tag, in meiner letzten Gastfamilie – ich kann es nicht fassen, wie schnell ein halbes Jahr vergeht. Wenn ich darüber nachdenke wie viel ich erlebt habe, wie viel ich gesehen habe, wie viel ich gelernt habe und was für liebenswerte Menschen ich kennen gelernt habe kullern mir die Tränen!

Ich bin unendlich dankbar für jeden einzelnen Tag den ich hier erlebt habe, ich bin mir sicher, dass mich dieser Austausch für mein Leben geprägt hat.

Vielen Dank an alle IFYE People die so viel für mich organisiert haben, ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen.

Danke, an meine Eltern, die mich ermutigt und aufgemuntert und beraten haben als ich so viel zu organisiere hatte.

Danke, an all meine Freunde für die helfenden Hände und das Ertragen meiner Launen und Panikattacken in den Wochen vor meinem Austausch.

Am 20.12 geht mein Flieger zurück nach Deutschland, ich freue mich schon wahnsinnig alle lieben Menschen wieder zu sehen und bin unglaublich aufgeregt – fast so dolle wie vor einem Jahr als ich vor meiner USA Reise stand, ist das zu glauben? Jetzt habe ich noch knapp drei Wochen in den USA, die ich in Texas, Louisiana, Washington D.C. und New York City verbringen möchte – ein ziemlich strammes Programm, ich weiß. Ich freue mich wahnsinnig und hoffe, dass ich ein bisschen Zeit finde um euch zu informieren, bis dahin viele Grüße

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