Freetime Part 2

 

Nach fünf Tagen in Nevada und Arizona saßen wir im Flugzeug Richtung Billings, Montana. Angekommen, am Flughafen war mein erster Gedanke „heyyy endlich wieder normale Leute in Wrangler Jeans und Cowboyboots“. Ich ging zum Rent a Car Stand und erzählte fröhlich von meinem Plan. Die Frau guckte mich nur komisch an und meinte „Sorry i can’t understand you“. Erneut fragte ich in meinem besten Englisch nach meiner Reservierung, aber wieder dieselbe Antwort. Ernsthaft? So exotisch kann mein Akzent doch gar nicht sein. Betröppelt drehte ich mich um und suchte nach einem anderen Stand – immerhin brauchte ich ein Auto. Nach einer kurzen und nicht wirklich luxuriösen Nacht im Motel 6, die uns 70 Dollar ärmer machte, beschlossen wir uns ein billiges Zelt zu kaufen und das gesparte Geld in etwas Besseres als muffige Motelzimmer zu investieren.

Der Plan für die nächsten zwei Tage war es, so viel wie möglich von Montana und vor allem vom Yellowstone Nationalpark in Wyoming zu sehen, dieser ist übrigens Highlight Nummer Zwei meiner Reise. Der Nationalpark ist der älteste der Welt (seit 1872) und einer der flächenmäßig Größten der USA. Um zum Nordost Eingang zu gelangen fuhren wir über den Beartooth Highway, einer der landschaftlich schönsten Highways der USA. Der Highway führt über die Beartooth Mountains, der höchste Gipfel ist der Granite Peak mit ca. 3900m. Wir sahen glasklare Bergseen, endlos trockene Steppe, dichte Nadelholzwälder oder einfach nur Gestein. Die plötzlichen 0°C, der Schnee und Windböen zum Hineinlegen ließen uns etwas frösteln, immerhin waren wir noch die 35°C vom Vortag in der Wüste Nevadas gewöhnt ;-).

 

Neben der atemberaubend schönen Landschaft im Yellowstone sahen wir Buffalos, Big Horn Sheeps, Deers, Coyotes und Black bears. Die Hauptstraße im Park ist als Acht ausgebaut, sodass man keine der herausragenden Sehenswürdigkeiten verpasst. Den ersten Halt machten wir an den „Mammoth Hot Springs“, ein Gebiet bestehend aus heißen Quellen mit schwefel- und kalkhaltigem Wasser. Zweiter Stopp war „Mud Volcano“ das sind brodelnde Schlammlöcher. Dort roch es überall nach Schwefel (nach faulen Eiern um es zu unterstreichen), das Schlammwasser brodelt und dampft aufgrund des Schwefelwasserstoffs und Kohlenstoffdioxids (Temp „nur“ 80°C). Kurz hielten wir am „Canyon oft the Yellowstone River“ und Wasserfall und machten ein paar Fotos. Allerdings waren wir gar nicht so beeindruckt was zweifelsohne daran lag, dass uns ein paar Tage zuvor die Aussicht auf den Grand Canyon verwöhnt hatte. Die „Norris Geyser Basin“ ist die heißeste (93°C) und säurehaltigste Area im Yellowstone. Dort gibt es viele aktive Vulkane und vermehrt Erdbeben. Die unterschiedlichen Farben der verschiedenen heißen Quellen entstehen aufgrund der Temperaturunterschiede und somit verschiedenen dort lebenden thermophilen Mikroorganismen und deren Aktivität. Hier gibt es auch den „Steamboat Geyser“, den größten aktiven Geysir der Welt zu sehen, zuletzt ausgebrochen ist er vor zwei Jahren. Als wir direkt davorstanden, hörten wir eine Parkrangerin sagen, es könnte jeden Augenblick wieder losgehen – das ließ mich echt ein mulmiges Gefühl bekommen. Vorletzter Stopp an diesem Tag war „Fountain Paint Pot“ in dieser Area gibt es alle hydrothermen Besonderheiten des Yellowstones auf einen Blick (Geysire, Hot Springs, mudpots and fumaroles) zu sehen, außerdem die farbenfrohste heiße Quelle (Grand Prismatic). Als hätten wir alles perfekt getimt, erreichten wir paar Minuten vor dem nächsten Ausbruch unsere letzte Sehenswürdigkeit an diesem Tag, den „Old Faithful“. Das ist einer der fünf aktivsten Geysire auf der Welt. Alle 90 Minuten bricht er für ca. eins bis fünf Minuten aus, dann kann man eine 30-55m hohe Fontane kochendes Wasser beobachten. Insgesamt waren wir gut zwei Tage im Yellowstone, das war gerade genug Zeit um einen kleinen, kurzen Blick von den gewaltigen Naturwundern zu erhaschen. Viele Amis bleiben für Wochen im Park und machen Urlaub im Camper – ein Träumchen wie ich finde. Zeltplätze gibt es übrigens nicht viele und „wildcampen“ ist verboten, was an den nicht zu unterschätzenden Grizzlybären, Wölfen oder Buffalos liegt.

Durch den Südausgang verließen wir den Yellowstone Nationalpark und fuhren in den direkt angrenzenden Grand Teton Nationalpark. Ein Stündchen fuhren wir durch dichten Nadelholzwald, dann beschlossen wir, dass es schon schöner wäre den Park im hellen bei Tageslicht zu sehen. Und da niemand im Dunkeln ein Zelt aufbauen oder Mitternachtssnack eines Grizzlys werden möchte, klappten wir die sitze nach hinten und schliefen im Auto. Morgens wurden wir von der aufgehenden Sonne über dem Jackson Lake“ (riesiger Bergsee) geweckt und sogleich von der Schönheit des Parks erschlagen ;-). Durch den Park zieht sich die Teton-Gebirgskette, der höchste Berg ist der Grand Teton mit knapp 4200m, die Landschaft erinnert mich an Österreich oder die Schweiz. Berge und Täler, Flüsse und glasklare Seen so kalt, dass man nicht mehr als einen Fuß hineinhalten möchte, unterschiedlichste Nadel- und Laubwälder in goldenen Herbstfarben…

 

Gegen Abend spazierten wir durch Jackson, einer kleinen, niedlichen, sehr touristischen Westernstadt im Westen Wyomings. Google Maps verriet uns, dass es ca. 1600 km bis zu unserem nächsten Ziel, dem Redwood National Park im Norden Californias sein würde. Also verbrachten wir die nächsten zwei Tage damit, zwei Bundesstaaten, beide flächenmäßig größer als Deutschland zu durchqueren. In Idaho hatte man das Gefühl, dass der ganze Staat aus unzähligen, unendlich großen Weizenfelder, mit überdimensionalen Bewässerungsanlagen besteht. Hin und wieder tauchten Michkuhbetriebe auf, in der Größe eines ganzen Dorfs. In Oregon war es etwas hügeliger mit viele Nadelholzwäldern, etwas weiter westlich nur noch Steppe mit kleinen trockenen Büschen. Oft sah man verlassene und verwitterte Gebäude, sodass man das Gefühl bekam die goldenen Zeiten der USA wären vorbei. Hier sind wir auf endlos langen, geraden Straßen gefahren, manchmal konnte man die Straße bis zum Horizont nicht enden sehen. Beim Verlassen einer kleinen Stadt, wurde man durch Schilder auf denen stand „Open Range“ oder „next Gasstation 100miles“ daran erinnert nochmal auf die Tankanzeige zu schauen. Auto fahren ist mit Abstand das günstigste was man in den USA machen kann, an diesem Tag sind wir fast 900km gefahren und haben ca. 50 Euro für Sprit bezahlt. Kein Bundesstaat hier in den USA ist landschaftlich wie ein anderer, außerdem unterscheiden sich die Leute, die Häuser, die Autos, die Ampeln, einfach alles…das wäre mir vor meiner Reise gar nicht so in den Sinn gekommen und ich bin immer wieder beeindruckt wie riesig die USA ist! Beim Übergang nach Kalifornien, gab es das erste Mal eine Grenzkontrolle innerhalb der USA. Wir wurde gefragt ob wir Fleisch, Früchte oder Saatgut dabeihätten. Wir erwähnten die Wassermelone im Kofferraum, er meinte das wäre ok. Ich glaube dabei geht es hauptsächlich um Zitrusfrüchte und das keine speziellen Pflanzenkrankheiten usw. von der Ost- und Westküste ausgetauscht werden.

 

Der Redwood Nationalpark befindet sich im Norden Kaliforniens entlang der Pazifikküste, dort gibt es die Riesenmammutbäume, das sind die höchsten der Welt. Mit hoch meine ich max. 112m! Zum Vergleich, der höchste Baum in Deutschland ist ca. 60m hoch. Die Mammutbäume sind steinalt (ca. 2000 Jahre) und max. 6,7m breit – durch einen Baum sind wir mit dem Auto durchgefahren :-D, die Rinde ist ca. 30cm dick. Die dicksten Mammutbäume gibt es im Sequoia Nationalpark, südöstlich von San Francisco, dort sind die Bäume max. 12m breit, dafür etwas kleiner mit max. 95m hoch und etwas älter (max. 3200 Jahre alt). Häufigste Ursache für das Sterben der Bäume ist das Umkippen, da sie ein eher flaches Wurzelnetz haben. Im Urwald zu wandern war der Wahnsinn, überall waren moosbewachsene Baumstämme, Flechten, Farn, Flüsse und türkisfarbene Seen. Immer wieder dachte ich „das ist jetzt aber der gewaltigste Baum vom allen“, lief ein paar Meter weiter und wurde eines Besseren belehrt. Die Bäume wachsen in der gemäßigten Zone und brauchen eine relativ konstante Temperatur von 10-20°C, wenn ich zurück in Deutschland bin, werde ich meinen eigenen kleinen Mammutbaum pflanzen. Unseren Zeltplatz fanden wir auf einer Internetseite (freecamsites.net), die wir einige Tage zuvor empfohlen bekommen hatten. Dort werden kleine Rastplätze oder Picknick Areas angezeigt, die so abgelegen sind, dass es keinen interessiert ob man dort campt oder nicht. Wie bereits erwähnt, ist Wildcampen bespnders in Nationalparks verboten und wird echt teuer bestraft. Gezeltet haben wir also illegaler Weise auf einem kleinen Rastplatz mitten im Wald, den Abend verbrachten wir mit Jason, der genauso wenig wie wir 30$ oder mehr für einen richtigen Campingplatz zahlen wollte. Im Laufe des Abends kamen noch fünf andere Autos auf den kleinen Parkplatz gefahren, das war schon witzig, da wir nicht gedacht hätten, dass diese Internetseite so populär ist. Jason ist 34 Jahre, ursprünglich aus Chicago und bereist seit einem Jahr den Westen der USA. Er lebt in einem selbstumgebauten Mercedes Sprinter, der echt besser aussah als so manches Haus. Ab und zu arbeitet er unterwegs als Programmierer – ganz ehrlich so ein entspanntes Leben hätte ich auch gerne mit 34 Jahren. Den Tag drauf fuhren wir weiter südlich durch den Nationalpark, abends schlängelten wir uns nahezu zwei Stunden über Serpentinen durch den Wald und endeten in einem kleinen Dorf, welches sich als Sackgasse herausstellte. Hier fanden wir glücklicherweise doch noch unseren angepeilten, freien Campingplatz. Sowie ca. 15 andere, ziemlich verrückte Leute, die wohl schon etwas länger den Campingplatz belagerten und sich nicht darum scherten ob Marihuana nun legal oder illegal in California war. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir damit, den Highway 1 nördlich Richtung San Francisco zu fahren. Der Highway 1 führt direkt entlang der Küste Kaliforniens und lässt einen keinen der schönsten Küstenabschnitte verpassen. Wir hangelten uns, mit vielen anderen alten VW Bussen mit Surfbrettern auf dem Dach, seitlich der Steinklippen und Sandstränden des Pazifiks. Die übrige Landschaft war steinig und hügelig, je näher wir der Küste kamen, desto windiger und kälter würde es, ab und zu gab es Gebiete mit Küstenmammutbäumen oder trockenen Nadelwäldern. Gecampt haben wir dieses Mal mit Blick aufs Meer und der darüber untergehenden Sonne, saßen am Feuer und grillten und lauschten den Wellen. Etwas weiter östlich im Landesinneren von Kalifornien liegt Napa Valley, die bekannteste Weinanbaugegend in den USA. Dort ist es durchschnittlich 1°C wärmer, was die Ernte begünstigt, ein Blick aufs Thermometer im Auto verriet uns 39°C, zwei Stunden zuvor an der Küste hatte es uns nur 23°C angezeigt. Napa Valley ist bei Touristen sehr beliebt und hat nach Disney Land in CA die zweithöchste Besucherzahl. Ich hatte mich schon seit zwei Wochen auf eine gute Flasche Wein gefreut, aber die Preise waren exorbitant. Ein Gläschen sollte 15 Dollar kosten, da entschied ich mich doch lieber für billigen Fusel von Walmart. Soweit das Auge reichte sahen wir pompöse Weingüter, die Reben waren flach (nicht am Hang) angebaut und überall wurde bewässert – erinnert ihr euch noch was ich über den Hoover Dam und die Wasserknappheit im Südwesten der USA erzählt habe?! Snobs fuhren ihre besten Autos aus, darunter konnte man viele deutsche Automarken wie BMW, Mercedes oder Porsche erkennen, die rostigen Pick-ups suchte man vergeblich.

In San Francisco angekommen betrachteten wir die Golden Gate Bridge und suchten, neben 100 anderen Selfie machenden Leuten, einen Platz für ein gutes Foto. Dort im Gedrängel und Gewusel bekam ich das Gefühl diese eine Sehenswürdigkeit würdigen zu „müssen“, da fand ich es wirklich schöner, irgendwo alleine im Nirgendwo ein Naturwunder bewundern zu können. Im Internet hatten wir ein vergleichsweise billiges Hostelzimmer (für 100§ !!!!! die Nacht) gebucht, in der Downtown angekommen, waren wir echt froh, dass es Gitter vor der Eingangstür hatte. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Obdachlose und offensichtlich drogen- und alkoholintoxikierte Menschen gesehen, aufgemotzte Autos fuhren mit lauter Hip-Hop oder Rap Musik durch die Straßen, Gestalten tummelten sich in dunklen Ecken und machten Geschäfte, ab und zu fuhr ein Polizeiauto streife – ich dachte nur „jawoll, willkommen im Ghetto San Franciscos”. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf zu „Fisherman’s Warf“, das ist der Hafen mit Strandpromenade und bei Touristen sehr beliebt. Eine Bar oder Restaurant reihte sich an die andere, allerdings geschlossen – seriously? Also kauften wir am Kiosk ein Bier, setzten uns auf die Stufen von einer der steilsten Straßen in SF und beobachteten die Leute. Ein paar Meter entfernt kämpfte der Rettungsdienst und die Polizei mit einer Patientin, bei dem Einsatz waren ca. Zehn Leute involviert, wahrscheinlich, weil es sonst zu unsicher ist. Ich dachte mir nur, dass ich es im Rettungsdienst vergleichsweise gar nicht so schlecht habe.

 

Am nächsten Tag liefen wir durch die Downtown, Chinatown und Fisherman’s Warf (vers. Stadtteile), aßen unverschämt teuere Fish & Chips am Pier 39, betrachteten die berühmten Cable Cars am Union Square, schlängelten uns durch die kurvenreichste Straße (Lombard Street) und suchten nach der steilsten Straße der Welt (35% Steigung). Die Cable Cars sind historische Kabelstraßenbahnen (ca. 1900), dabei läuft ein Seil in einem Graben unter der Straße, eine Klaue verbindet das Seil und den Wagon durch einen Spalt in der Straße. Den Abend verbrachte ich mit dem leckersten Eisbecher in der Hand und den Füßen im Meer. Wiggi hatte wohl nicht das beste Bier in der Hand (Bierbrauen können die Amis wirklich nicht so gut), war dafür aber im Meer schwimmen ;-).

Am nächsten Morgen (27.09.16) ging mein Flieger von SF nach Ohio. Nachdem wir mit Sack und Pack zum Mietwagen gewackelt waren musste ich erstmal zweimal gucken – über Nacht hatte uns Jemand die Heckscheibe eingeschlagen und den Kofferraum leergeräumt. Ich verfluchte alles und jeden und machte mich mit bösem Blick und eiligem Schritt auf zum nächsten Police Department. Der Officer hinter einer dicken Scheibe meinte nur „it’s not a big deal here“, nahm meinen Report auf und wollte nicht mal den Schaden am Auto begutachten. Gut, dass ich meistens eher zu viel Zeit als zu wenig einplane, vier Minuten vor Boarding erreichte ich mein Gate. Eins habe ich auf jeden Fall fürs nächste Mal gelernt: kein Mietwagen in SF! Parkplätze sind unglaublich teuer, wir hatten den günstigsten mit ca. 20$ pro 12h, für einen eventuell sichereren Parkplatz kann man aber mindestens das Dreifache rechnen. Allgemein halte ich die Stadt für ziemlich gefährlich, teuer und dreckig – andere würden jetzt sagen „welche Großstadt ist das nicht?“, ich mag halt eher die Country Side. Bisher habe ich Naturwunder und andere Sehenswürdigkeiten in 12 verschiedenen Staaten der USA bewundern können, das ist mehr als so mancher Einheimischer gesehen hat! Ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich eine solch wunderbare Freetime erleben durfte und ich denke, ich hätte sie nicht besser nutzen können!

Jetzt bin ich schon einen Monat in Ohio, das erste Mal im Osten der USA und hier ist vieles anders! Man kann sagen, alles östlich des Mississippi Rivers gehört zum Osten, alles westlich des Flusses, zum Westen von Amerika.

Ich komme mit dem Schreiben gar nicht mehr hinterher, versuche mich aber zu beeilen, sodass ihr bald einen neuen post von mir lesen könnt. Bis dahin liebste Grüße 😉

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